Auf was Sie beim Kauf einer 360-Grad Kamera achten sollten – unsere 4 Kauftipps

Die modernen 360-Grad Kameras kommen in den USA und im asiatischen Bereich immer mehr in Mode. Wie üblich hinkt Europa mit Deutschland etwas hinterher. Aber auch hierzulande sieht man den Einen oder Anderen mit einer 360-Grad Kamera filmen.

Yi 360 Kamera

Yi 360 Kamera

In diesem Ratgeber erklärt Ihnen unsere 360-Grad-Kamera Experte Alex auf was Sie beim Kauf einer VR Kamera, wie diese auch genannt werden, achten sollten. Denn im Vergleich zu traditionellen Digitalkameras und Camcorder gibt es einige Unterschiede.

Die 4 wichtigsten Eigenschaften einer 360-Grad Kamera:

  • Die Bildauflösung: 4K oder doch mehr?
  • Die Videoqualität in der Praxis
  • Das Stitching (zusammenfügen der beiden Videos aus der Kamera zu einem 360-Grad Video oder Foto)
  • die Kamera-App

Im folgenden erklärt Ihnen Alex auf was sie in den einzelnen Kategorien achten müssen. Natürlich können wir nicht auf jedes kleine Detail eingehen. Denn dieser Artikel soll für jedermann verständlich sein. Wer auf diese Punkte achtet, der wird definitiv eine sehr gute 360-Grad Kamera kaufen.

Und wenn Sie sich unsicher sind, dann schauen Sie einfach in unseren 360-Grad Kamera Guide rein. Hier haben wir die besten Kameras dieser Kategorie verglichen und empfehlen Ihnen einige der Modelle. Außerdem erhalten Sie alle Informationen rund um diesen neuen Kameratyp.

Die Bildauflösung: reichen 4K?

Eins gleich vorweg: wir würden dringend abraten eine 360-Grad Kamera zu kaufen, die weniger als 4K Auflösung hat. Immer noch gibt es einige sehr beliebte Modelle auf dem Markt – vor allem wegen dem günstigen Preis – die keine 4K liefern. Was auf dem Monitor vielleicht noch akzeptabel aussieht (mehr aber auch nicht) wird in einer VR-Brille zu einem mehr oder weniger Albtraum. So zumindest unsere Meinung. Die Schärfe der Bilder ist einfach nicht ausreichend, um ein immersives Gefühl in einer virtuellen Umgebung zu liefern.

Erklärung von Alex: 360-Grad Videos können auf einem Smartphone oder einem Monitor in jede Richtung gedreht werden. Das ist zwar ganz nett, aber wirklich interessant werden 360° Videos erst wenn man eine VR-Brille benutzt. Dann steht man sozusagen mitten in der Szene. Das macht für mich den wahren Charme dieser neuen Kameras aus. Schauen Sie sich dafür im folgenden einfach mal den Miami Beach an. Ein Urlaubsvideo, das ich bei meinem Urlaub in Florida mit der Yi 360 Kamera aufgenommen habe.

Miami Beach in 360 Grad mit 5.7 K aufgenommen

Meine Empfehlung: 5K und mehr

Vergleicht man die Videos von 4K Kameras, wie beispielsweise der Samsung Gear 360 (die zu den besten dieser Kategorie gehört), und brandneuen Kameras mit 5K und mehr, dann fällt ein extremer Qualitätsunterschied auf. Die Schärfe der Bilder, auch im weiter entfernten Bereich, ist einfach schon richtig gut. Bei 4K macht es nicht ganz so viel Spaß in einer Virtual Reality Brille die Videos anzuschauen. Schauen Sie zum Vergleich einmal das 4K Video an, dass ich mit der Samsung Gear 360 (2016) an einem Strand in Italien gemacht habe.

Der „weisse“ Strand in der Toskana in 4K

Alex’s 360 Kamera Empfehlung mit 5.7K

Wenn Sie über den Kauf einer 360-Grad Kamera nachdenken, dann empfehle ich zum Kauf der Yi 360. Sie kostet nur wenig mehr als die meisten 4K Kameras, liefert aber einen Quantensprung in der besseren Bildqualität. Für gerade einmal knapp 400 € bekommt man diese VR-Kamera mit der wahrscheinlich besten Bildqualität im Konsumer-Bereich unter 2000 €.

Alternativ kann man zur Garmin Virb greifen. Diese punktet mit der besten Software auf dem Markt. Außerdem liefert sie eben so eine hervorragende Bildqualität, auch wenn sie meiner Meinung nach nicht ganz an die Yi 360 herankommt. Trotzdem ist sie Meilen entfernt von ihren Verfolgern, die nicht annähernd diese Schärfe, Detailtreue und Farbtreue schaffen. Auch das Stitching an den Nähten ist in der Yi und Garmin Software hervorragend.

Übrigens: 4K im 360 Grad Bereich ist nicht vergleichbar mit 4K im klassischen 2-D Format. Die 4K sind auf die kompletten 360° berechnet, was effektiv zu einer Auflösung von 720 HD bei 2D führt.

Die Bildqualität der Videos in der Praxis

Linsen einer VR-Brille

Nutzen Sie immer eine VR-Brille zum beurteilen der Videoqualität

Kameras vorab zu testen ist eigentlich ein Vergnügen. Denn inzwischen gibt es auf YouTube für jedes Kameramodell zahlreiche Testvideos. Denn „Zahlen lügen nicht“ gilt nicht unbedingt immer auch für Kameras. Nichts ist aussagekräftiger wie ein Testvideo.

Gerade bei 360-Grad Kameras gibt es hier ganz extreme Unterschiede der Qualität. Die Bildschärfe, Farbtreue und Belichtung lässt sich am besten in einer VR-Brille prüfen. Hier sieht man direkt große Qualitätsunterschiede der verschiedenen Kameramodelle.

Deshalb mein Tipp: bevor ihr Euch für eine 360-Grad Kamera entscheidet, solltet Ihr immer zahlreiche Testvideos auf YouTube anschauen. Sucht Euch ein paar Eurer Favoriten aus und schaut Euch die Videos unbedingt in einer VR-Brille an. Denn auf einem Monitor lässt sich der Qualitätsunterschied der Videos kaum erkennen. Auf einem Smartphone schon überhaupt nicht.

Leider gibt es hier auch eine Einschränkung: bei YouTube wird die Videoauflösung herunterskaliert. Und zwar abhängig vom Smartphone, Laptop oder PC. Die wenigsten Smartphones haben ein Display was eine 5K Wiedergabe von Videos erlaubt. Auch 4K werden nicht auf allen Smartphones angezeigt. YouTube erkennt Euer Endgerät und entscheidet dann welche Qualität ausgeliefert wird. Oder anders ausgedrückt: YouTube entscheidet für Euch, ob Euer Smartphone in der Lage ist das Video in der Qualität anzuzeigen. Dazu wird die Geschwindigkeit eurer Internetverbindung geprüft und die verfügbare Auflösung angepasst.

Herunterskalierte 5K Videos sehen immer noch besser aus wie 4K

Trotzdem werdet ihr beim betrachten von 5.7K Videos aus der Garmin Virb oder Yi 360, die auf 4K herunterskaliert worden sind, große Unterschiede erkennen. Die Schärfe des Bildes ist trotzdem viel besser.

Manche Autoren behaupten, dass es dann die gleiche Videoqualität hat. Das ist kompletter Unsinn. Herunterskalierte Videos sehen immer noch viel besser aus als original aufgenommene 4K Videos. Alles unter 4K ist in einer VR Brille nicht schön anzusehen. Erst ab 5K wird es für mich wirklich interessant.

Stitching: In der Kamera oder in der Desktop Software

Desktop-Software Yi 360 Studio

Desktop-Software Yi 360 Studio

Ein großes Problem von 360-Grad Kameras mit hoher Auflösung ist der Stitching Prozess. Sehr gute 360 Kameras sind in der Lage in der Kamera bis zu 4K zu stitchen. Darunter die GoproFusion, Yi 360 und Garmin Virb 360.

Was ist Stitching?

Um ein 360 Video oder Foto zu erzeugen nutzen diese Kameras zwei Linsen. Profimodelle nutzen noch mehr. Die von den einzelnen Kameralinsen aufgenommenen 190°-220° Videos (je nach Modell) werden im Prozess des Stitching (auf Deutsch: zusammenfügen, zusammennähen) zusammengefügt.

Dafür müssen an den Rändern genaue Berechnungen durchgeführt werden, damit man diese sogenannte Stitching-Naht nachher nicht mehr sehen kann. Hier ist auch ein großer Qualitätsunterschied der verschiedenen Kameramodelle und Hersteller zu erkennen. Bei vielen Kameras sieht man sofort die Naht, die beide Videos verbindet. Farbübergänge, Helligkeit und auch Stitching-Fehler sind häufig.

Ein Fehler ist zum Beispiel, wenn ein Haus in der Naht auf einmal eine Lücke hat oder zusammengeschoben ist. Das könnte auf vielen Videos bei YouTube sehen.

Stitching in der Kamera

Gute Modelle, wie die Yi 360, Garmin Virb oder auch die GoPro Fusion, können in der Kamera bis maximal 4K, die Ergebnisse die Aufnahmen der beiden Kameralinsen zusammenfügen.

Das erleichtert dem Filmer die Arbeit enorm. Weil das Stitching in der Desktop Software zeitaufwendig ist. Je nach Schnelligkeit des eigenen Rechners braucht man für 1 Minute Videomaterial zwischen 15 Minuten bis 1 Stunde. Die Berechnungen sind sehr umfangreich, sodass viele Rechner dies überhaupt nicht leisten können. Die Anforderungen an die PCs und Laptops sind dementsprechend hoch.

Wer einen älteren Rechner hat mit einer onBoard Grafikkarte, der muss über den Kauf einer 360-Grad Kamera überhaupt nicht nachdenken. Außer er benutzt nur das Stitching in der Kamera und bearbeitet die Videos im Nachhinein nicht. Denn die Desktop-Software der meisten Hersteller hat sehr hohe Systemanforderungen, damit die Software überhaupt läuft.

Alex Hinweis: einzige Ausnahme ist die Yi 360 Studio Desktop Software. Diese läuft auch auf „älteren Rechnern„, wie ich selber ausprobiert habe. Der Stitching Prozess dauert zwar dann sehr lange (pro Minute Videomaterial weit über 1 Stunde), aber es läuft. Da man ein Batch-Stitching machen kann mit dieser Software, kann man diesen Prozess einfach über die Nacht laufen lassen. Am nächsten Morgen sind dann alle Videos gestitcht.

Stitching in der Desktop-Software

Desktop-Software Garmin Virb Edit Screenshot

Desktop-Software Garmin Virb Edit

Das Ergebnis beim Stitching in der Desktop-Software ist bei allen Herstellern deutlich besser als in der Kamera. Stitching-Fehler sind in den Kameras fast schon normal. Die Farbübergänge, die Genauigkeit des Zusammenfügens  und der Helligkeitsausgleich ist in den Kameras nicht annähernd perfekt.

In der Desktop-Software von einigen Kameraherstellern ist dieser Prozess nahezu perfekt gelöst. Aus eigenen Tests kann ich sagen, dass in der Software Yi 360 Studio und Virb Edit von Garmin, das Stitching nahezu perfekt ist. Zumindest in den meisten Umgebungen.

Natürlich sind extreme Helligkeitsunterschiede, beispielsweise weil eine Linse voll in die Sonne filmt, nicht hundertprozentig auszugleichen. Auch Unterwasseraufnahmen eine Herausforderung. Aber diese beiden Hersteller machen hier den besten Job.

Wenn möglich würde ich deshalb immer das Stitching in einer Software wählen.

Maximale Videoauflösung = Desktop Stitching

Keine Wahl hat man wenn man die maximale Videoauflösung nutzt. Bisher ist kein Hersteller in der Lage (Stand 2. Mai 2018) mehr als 4K Auflösung direkt in der Kamera zu stitchen. Mit Sicherheit wird das aber in nächster Zukunft möglich werden.

Die Kamera-Apps

Die Yi 360 VR Camera App

Die Yi 360 VR Camera App

Beim aufnehmen und weitergeben der Aufnahmen setzen alle Hersteller auf eine App. Damit kann die Kamera bedient werden und die ersten Aufnahmen direkt geteilt werden. Natürlich nur wenn man die niedrigere Auflösung mit In-Camera Stitching verwendet.

Außerdem ist ein Upload ohne WLAN kaum möglich. Die Dateien sind enorm groß und die notwendige Bandbreite für die Übertragung ist enorm.

Bei einer Videoaufnahme von 1 Minute ist man schon weit über 1 GB Datenvolumen. Je höher die Auflösung, desto größer natürlich die Datei.

Alle Einstellungen können über die Apps gemacht werden

Bei den 360-Grad Kameras von Garmin und Yi können alle Einstellungen über die App vorgenommen werden. Aber das ist kein Muss. Auch direkt an der Kamera kann man über das kleine LCD-Menü die notwendigen Änderungen vornehmen.

Allerdings ist bei beiden Kameras direkte Sonneneinstrahlung auf das Display ein Problem. In diesem Fall kann man kaum mehr etwas erkennen. Die Displays sind einfach zu klein und nicht hell genug in diesem Fall.

Hier ist eine App besser geeignet. Auch die Auslösung von Fotos und Videos kann über die App vorgenommen werden. Beide Kameras arbeiten mit einer WLAN Verbindung, um Kamera und Smartphone zu verbinden.

Auf dem Smartphone kann man dann schon direkt das 360° Bild oder Video anschauen.

Hinweis: die mögliche  Entfernung zur Auslösung der Videoaufnahmen und Fotoaufnahmen ist gering. Bei beiden Kameras kann man sich nicht weit entfernen. Sobald ein Gegenstand zwischen Kamera und Smartphone kommt, ist das auf wenige Meter eingeschränkt. Da man bei 360 Grad Aufnahmen sich oft hinter etwas versteckt, um nicht immer selber im Bild zu sein, muss man meistens schon vorher die Aufnahme starten. Später muss man dann diesen Teil eben in der Software herausschneiden.

Bei freiem Feld ist die mögliche Entfernung natürlich größer. Trotzdem ist man immer im Bild.

Bei der Yi 360 gibt es eine Funktion, mit der man bei Fotos aus dem Bild geschnitten wird. Hierfür stellt man sich an drei verschiedene Positionen und die Kamera rechnet einen sozusagen aus dem Foto heraus. Ganz witzig, aber bei Videos natürlich nicht möglich.

Alex’s Fazit zum Kauf einer 360-Grad Kamera

360-Grad Kameras machen Spaß. Keine Frage. Betrachtet man Fotos und Videos in einer VR-Brille, dann fühlt man sich wirklich an den Ort zurückversetzt. Gerade bei Urlaubsvideos, Hochzeiten und Geburtstagen eine tolle Sache. Aber um wirklich Spaß zu haben mit den Videos und Fotos sollte die Auflösung mindestens 4K sein.

Ich persönlich empfehle immer zu einer 5K Kamera zugreifen. Wer das notwendige Kleingeld hat kann auch zu einer 8K Kamera tendieren. Hier sind dann allerdings schon 2000-3000 € und mehr fällig. Für die meisten Normalverbraucher deutlich zu viel.

Ich persönlich finde aber schon die 5K Auflösung sehr gut. In diesem Ratgeber habe ich Euch einige Videos, die ich mit der Yi 360 aufgenommen habe, eingefügt. Auf einem Monitor sieht man hier kaum einen Qualitätsunterschied zu einer Full-HD 2-D Kamera.

In einer VR-Brille hat man trotzdem ein sehr scharfes Bild und kann sich tatsächlich alle Details an diesem Ort anschauen. Probiert es einfach mal aus.

Meine Kamera Empfehlungen

Meine aktuellen Kamera Empfehlungen sind die Yi 360 und die Garmin Virb 360. Wenn ihr keine Sensoren in der Kamera braucht (GPS, Höhensensor usw.), dann würde ich zur Yi 360 greifen. Diese kostet nur knapp 400 €. Die Garmin Virb 360 ist deutlich teurer. Diese punktet mit zahlreichen Extra-Funktionen. Allerdings ist hier wirklich zu prüfen ob er diese braucht. Denn die Videoqualität ist meiner Einschätzung nach bei der Yi 360 sogar etwas besser.

In unserem 360-Grad Kamera Guide findet ihr alle Informationen rund um Funktionen, Ausstattung und Qualitätsmerkmale dieser VR Kameras. Außerdem habe ich für Euch die meiner Meinung nach besten Kameras in den Empfehlungen vorgestellt. Schaut Euch die Testvideos an und macht Euch ein eigenes Bild.

Wenn ihr Fragen habt, dann fragt einfach. Über das nachfolgende Kommentarfeld könnt ihr das gerne tun.
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